Multitasking beim Lernen – Realität oder Mythos?

Multitasking beim Lernen | Realität oder Mythos?

Multitasking_beim_LernenMusik auf dem Ohr, ein waches Auge auf das Handy, um keine eingehende SMS oder WhatsApp zu verpassen sowie die allgegenwärtige Präsenz von Facebook – das sind Ablenkungsmanöver, die die eigentliche Kernaufgabe, das Lernen, begleiten. Man nennt das dann multitaskingfähig. Was ist dran am Multitasking – ist es tatsächlich möglich, mehrere Aufgaben gleichzeitig und ohne Qualitätsverlust zu bewältigen oder handelt es sich um einen Mythos?

 

Multitasking – woher es kommt und was es bedeutet

 

 

 

Der Begriff Multitasking kommt ursprünglich aus dem IT-Bereich und beschreibt die Fähigkeit eines Betriebssystems, mehrere Aufgaben, sogenannte tasks, parallel auszuführen. Allerdings teilt der Prozessor die Leistung in sogenannte Zeitscheiben beziehungsweise Zeitfenster auf. Das bedeutet, dass er beispielsweise in einer Sekunde eine Viertelsekunde für Programm A und die restliche Sekunde für Programm B, C und D aufwendet und insoweit die Leistung geviertelt wird.

Was die neuesten Studien zur Multitasking-Fähigkeit sagen

 

Wer sich als multitaskingfähig bezeichnet, meint jedoch, verschiedene Leistungen in gleichem Maße in optimaler Weise auszuführen. Ist das tatsächlich möglich oder eine Fehleinschätzung beziehungsweise Selbstüberschätzung?

Das sagen neueste Studien:

 

  1. In neuesten Studien wurde nachgewiesen, dass das Gehirn sich nur auf eine, maximale auf zwei komplexe Tätigkeiten gleichzeitig konzentrieren kann.
  2. Das Gefühl, mehrere Aufgaben gleichzeitig bewältigen zu können, entsteht dadurch, dass das Gehirn einfach nur rasant hin- und herwechselt.
  3. Die Studien beenden auch den Mythos, dass Frauen multitaskingfähiger sind als Männer. Stattdessen haben geschlechtsneutrale Multitasking-Tests gezeigt, dass Männer und Frauen gleich gute beziehungsweise gleich schlechte Leistungen in Bezug auf die Multitasking-Fähigkeit erbringen. Das gilt für beide Gruppen umso mehr, wenn es sich um ungeübte Tätigkeiten handelt, die volle Konzentration auf die ungewohnte Tätigkeit erfordern.
  4. Der Hirnforscher David Meyer von der University of Michigan bestätigte diese Ergebnisse experimentell, indem er Probanden mathematische Probleme lösen ließ mit diesem Ergebnis: Wechselten die Probanden schnell zwischen den verschiedenen Aufgaben hin und her, verloren sie Zeit. Sobald die Anforderungen größer wurden, wuchs der Zeitverlust entsprechend. Dies galt umso mehr, wenn es sich um Aufgaben handelte, die den Probanden nur wenig oder gar nicht vertraut waren.
  5. In Studien wurde außerdem festgestellt, dass Gleichzeitigkeit nur in begrenztem Maß trainierbar ist.
  6. Tatsächlich werden andere Sinneswahrnehmungen ausgeblendet, sobald man sich auf eine Sache konzentriert. Das bedeutet, dass es beim Telefonieren möglich ist, nebenbei auch zu bügeln. Das Bügeln wird zugunsten des Telefonierens ausgeblendet und läuft als routinierter Vorgang automatisch ab. Die Situation ändert sich, wenn eine weitere komplexe Aufgabe hinzukommt. Dann sinkt die Hirnleistung dramatisch zuungunsten aller Aufgaben ab, da das Gehirn rasant zwischen den verschiedenen Aufgaben hin- und herwechselt.

Im Ergebnis bedeutet das, dass Multitasking ein Mythos ist. Niemand ist in der Lage, komplexe Tätigkeiten gleichzeitig auszuführen. Da macht das menschliche Gehirn einfach nicht mit. Das gilt auch für das Lernen. Werden daneben weitere Aufgaben erledigt, die scheinbar automatisierten Charakter haben, dann führt das zu einem erheblichen Konzentrations- und Leistungsverlust mit dem Ergebnis, dass das Lernen weit weniger produktiv und effektiv verläuft. Das gilt insbesondere für die Gedächtnisleistung, die durch Multitasking enorm sinkt. Es bleibt daher festzuhalten, dass es aus neurobiologischer Sicht überhaupt kein Multitasking gibt. Das Gehirn ist in der Lage, sich auf eine komplexe Tätigkeit zu konzentrieren. Wer also Musik hört, das Handy und den Facebook-Account im Blick hat und Messages abruft, tut das alles nur zu einem Bruchteil der Konzentration.

Mein Rat:

 

  1. Ich rate deshalb dazu, sich bei der Arbeit mindestens zwanzig Minuten auf eine Aufgabe zu fokussieren. Das fördert die Konzentrationsfähigkeit und damit auch den Lernerfolg. E-Mails und Ihren Facebook-Account sollten Sie in festgelegten Intervallen checken und nach demselben Prinzip regelmäßige Pausen einlegen.
  2. Wählen Sie zum Lernen einen ruhigen Ort, an dem Sie ohne Störungen und Ablenkungen von außen konzentriert arbeiten können.
  3. Planen Sie feste Lernzeiten ein. Weisen Sie Ihr Umfeld darauf hin, dass Sie während der Lernphase nicht gestört werden möchten.
  4. Schalten Sie Ihr Handy während der Lernphase ab oder zumindest stumm und legen Sie es außer Reichweite.
  5. Gedanken und Ideen, die beim Lernen aufkommen, notieren Sie auf einem Notizblatt.
  6. Achten Sie auf die Ausgewogenheit von Körper, Geist und Seele und beziehen Sie Achtsamkeitsübungen in Ihren Alltag mit ein.

 

 

Bildquelle: TheBestLife.com

Richter

Mein Name ist Meik Richter. Ich bin Speed-Reading-Trainer und Lerncoach und beschäftige mich der schnellen Informationsaufnahme und Verarbeitung.