28. Juni 2015

Lernplan erstellen

Einen Lernplan erstellen – Macht das Sinn?

Lernplan_erstellen

Einen Lernplan erstellen – so geht´s

Einen Lernplan erstellen? …hä ich. Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, bestand das erstellen eines Lernplans aus einem einzigen Schritt: hinsetzen und mit irgendetwas beginnen.

In der Schule wurde mir die Erstellung eines Lernplans abgenommen. Ich hatte ein Hausaufgabenheft, in dem stand, welcher Test zu welchem Zeitpunkt geschrieben wurde, welche Hausaufgaben ich erledigen sollte und wann das Referat gehalten werden musste. Meine Eltern waren meine Wiedervorlage: „Meik, du musst noch Geschichte lernen“. Ich empfand diese Bevormundung als nervig und konnte diese Funktion leider auch nicht abstellen, so wie im Outlook. Also machte ich, was meine Lehrer und Eltern sagten.

Dies änderte sich schlagartig mit dem Studium. Plötzlich war ich auf mich selbst gestellt. Es sagte niemand, du musst heute dieses und jenes erledigen, damit du die Prüfung in einem halben Jahr bestehst. Also übernahm ich das System „Druck-Lernen“, leider ohne großen Erfolg. Wie gewohnt fing ich erst kurz vor der Prüfung mit dem Lernen an. Ich arbeitete Tag und Nacht und bestand die Prüfung – nicht.

Den Fehler machte ich zum Glück nur einmal. Denn ab diesem Zeitpunkt erstellte ich einen Lernplan. Warum ist ein Plan so entscheidend?
Studien haben bewiesen, dass sich Lernen in kleinen Einheiten und über einen längeren Zeitraum positiv auf das Prüfungsergebnis auswirkt.

Welche Auswirkungen hat ein Lernplan auf meinen Erfolg – Drei Ursachen:

    1. Erstens dient Planen der Motivation. Es ist angenehmer, jeden Tag eine kleine Einheit von dreißig Minuten zu lernen, als kurz vor der Prüfung Tag und Nacht zu pauken. Täglich sieht man einen kleinen Fortschritt und kann einen weiteren Punkt von seiner To-do-Liste abhaken. Dieses Abhaken fördert die Motivation. Ganz nach dem Motto „Ja, heute habe ich was geschafft“.
    2. Sie behalten den Überblick. Denn wenn Sie einen mannshohen Stapel an Skripten und Büchern im Studium oder in der Ausbildung lernen müssen, könnten sie einfach ein Buch aus dem Turm nehmen und beginnen zu lesen, oder Sie schaffen sich einen Überblick und beginnen, den Lernstoff zu strukturieren. Die zweite Methode hat den Vorteil, dass Sie den Überblick nicht verlieren und genau wissen, was in welcher Zeit gelernt werden muss. Dies ist ein sehr beruhigendes Gefühl.
    3. Wer wirklich den Anspruch hat, nicht nur für die Prüfung zu lernen, sondern das Wissen langfristig abzuspeichern, sollte einen Lernplan verwenden. Denn in diesen notieren Sie akribisch Ihre Wiederholungszyklen. Sie sollten wissen, dass das Gehirn eine gewisse Zeit und einige Wiederholungsphasen benötigt, damit die Information in das Langzeitgedächtnis gelangen kann. Ähnlich einem Muskel sollte das Gehirn in genau festgelegten Zeitintervallen trainiert werden. Druckbetankung kurz vor der Prüfung kann erfolgreich sein, aber GELERNT haben Sie nichts. In Ihrer weiteren Lernkarriere wird sich diese Methode irgendwann nachteilig auswirken, da neuer Lernstoff oft auf dem Vorwissen aufbaut.

Einen Lernplan erstellen, so geht es!

  1. Beginnen Sie in kleinen Schritten, wenn Sie noch nie einen Lernplan erstellt bzw. mit einem gearbeitet haben. Zu Beginn sollte der Anspruch nicht sein, den ganzen Lernstoff extrem detailliert zu strukturieren. Die Advanced-Phase kommt von ganz allein. Starten Sie als erstes zum Beispiel mit der kommenden Prüfung.
  2. Sammeln Sie dazu alle Daten und Fakten. Wann ist die Prüfung? Wie viel Zeit habe ich noch zum Lernen? Wie viele Stunden kann ich pro Tag lernen (Lernzeit-Analyse)?
  3. Sammeln Sie alle Lernmaterialien. Listen Sie alle Themen und Punkte auf, die Sie für die Prüfung beherrschen müssen.
  4. Setzten Sie sich ein Lernziel und schätzen Sie die dafür benötige Lernzeit ab. Beispiel: Die Prüfung ist am 14. Mai und ich möchte diese mit mindestens „gut“ bestehen. Ich werde für die Vorbereitung 6 Wochen brauchen. Sollte Sie beim Lernplan erstellen schon das Gefühl haben, das Ergebnis nicht zu erreichen, überprüfen Sie das Ziel. Vielleicht genügt ja auch ein „genügend “, dann Priorisieren Sie Ihren Lernstoff (Priorisierung).
  5. Nun teilen Sie ein DIN-A4-Blatt in sechs Abschnitte auf. Dies sind die Wochen bis zur Prüfung. und Notieren Sie sich für jede Woche ein Ziel – zum Beispiel 30 Seiten aus dem Skript XY zum Thema XYZ lesen, zusammenfassen und lernen.
  6. Nehmen Sie sich ein weiteres DIN-A-4- Blatt und untergliedern Sie das erste Wochenziel in Teilaufgaben, die Sie jeden Tag lernen bzw. berarbeiten müssen.
  7. Anschließend beginnen Sie mit Tag 1 und arbeiten Ihre To- do- Liste ab.

Allgemeine Regel:

Bleiben Sie flexibel. Verplanen Sie nur 80 % Ihrer Lernzeit, denn es passieren immer unvorhergesehene Dinge. Planen Sie täglich 10 – 20 % der Lernzeit für Wiederholungen vom Vortag ein. Dieser Abschnitt ist sehr wichtig, denn wir vergessen bis zu 90 % des Gelernten vom Vortag, wenn es nicht unmittelbar wiederholt wird. Vergessen Sie Pausen nicht, denn der Mensch ist keine Maschine. Planen Sie jeden Sonntag die kommende Woche und stellen Sie sich diese Fragen: Was muss ich erledigen? Was habe ich letzte Woche nicht geschafft? Wo benötige ich mehr Zeit?

Auch wenn der Planungsaufwand zu Beginn etwas größer ist, lohnt sich die Auseinandersetzung mit dem Lernstoff und die Strukturierung Ihrer Lernmaterialen. Durch den regelmäßigen Überblick und Status Ihres Lernfortschrittes werden Sie motivierter und entspannter. Denn es gibt kein besseres Gefühl, als alles im Griff zu haben.

 

Aus der Reihe „Lernstoff strukturieren“

1. Lernzeitanalyse | Mehr Zeit zum Lernen – wie soll das gehen?
2. Lernstoff priorisieren | Was ist wichtig, was weniger wichtig?
3. Lernplan erstellen | Schritt für Schritt

 

 

Bildquelle: Shutterstock | everything possible

Richter

Mein Name ist Meik Richter. Ich bin Speed-Reading-Trainer und Lerncoach und beschäftige mich der schnellen Informationsaufnahme und Verarbeitung.